Die Absage der Spielzeit 2026 der Eutiner Festspiele macht mich traurig.
Nicht nur als Kulturschaffender. Sondern persönlich.
In Eutin habe ich den Operngesang für mich entdeckt.
Dort habe ich verstanden, dass diese Kunstform nicht fern ist, nicht elitär und nicht museal. Sie ist lebendig. Sie ist gegenwärtig. Sie spricht Menschen an.

Die Eutiner Festspiele waren für mich ein Ort der Öffnung.
Unter der Leitung von Falk Herzog haben sich die Festspiele deutlich verändert. Sie wurden moderner. Mutiger. Gesellschaftlich wacher. Besonders eindrücklich war für mich, dass nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine die Studiobühne für Solidaritätsveranstaltungen geöffnet wurde. Kultur zeigte hier Haltung.
Umso schwerer wiegt für mich, dass dieser Wert offenbar nicht ausgereicht hat.
Dass die Stadt Eutin den Fortbestand der Festspiele sehenden Auges beendet hat, empfinde ich als Verlust. Nicht nur für die Stadt. Für die ganze Region.
Die Eutiner Festspiele sind mehr als ein sommerliches Kulturangebot. Sie waren ein Ort der Begegnung. Ein Ort für erste Erfahrungen. Ein Ort für neue Perspektiven. Solche Orte entstehen nicht von selbst. Sie brauchen Verantwortung. Und sie brauchen Menschen, die Kultur nicht nur verwalten, sondern ermöglichen.
Ich schreibe diesen Text nicht aus Bitterkeit. Ich schreibe ihn aus Dankbarkeit und aus Sorge. Dankbarkeit für das, was ich dort erleben durfte. Sorge darüber, wie leicht kulturelle Substanz verloren geht, wenn ihr Wert nicht ernst genommen wird.
Appell
Diese Entscheidung sollte nicht das letzte Wort bleiben.
Es braucht den Mut, noch einmal hinzusehen. Noch einmal zuzuhören. Noch einmal neu zu denken.
Kultur braucht keine Sonntagsreden.
Sie braucht Strukturen. Verlässlichkeit. Und den Willen zur Zusammenarbeit.
Die Eutiner Festspiele haben gezeigt, was möglich ist.
Es wäre ein starkes Zeichen, diesen Weg nicht einfach zu beenden – sondern ihn weiterzugehen.
Kultur verschwindet leise.
Ich appelliere an die Stadt Eutin, ihre Entscheidung zu überdenken und Verantwortung für den Erhalt der Eutiner Festspiele zu übernehmen.
Appel:
Danke Taras für diesen Brief. Hochwertige Kultur braucht immer Unterstützung, vor allem in einer läntlichen Region wie Ostholstein und Eutin. Es schmerzt mich dass die Institution „Eutiner Festspiele“ zu Ende geht.