Autor: admin

  • Franz Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ op. 25 gehört zu den persönlichsten und bewegendsten Werken des romantischen Repertoires. In dem Projekt „Die schöne Müllerin – unterwegs“ wird dieses Meisterwerk nun auf eine besondere Reise geschickt – nicht nur musikalisch, sondern auch ganz konkret durch verschiedene Regionen, Landschaften und Räume.

    Was geschieht, wenn sich der Zyklus selbst auf Wanderschaft begibt? Wenn sich sein Thema – das Unterwegssein, die Suche, das Scheitern – auch in der Form seiner Aufführung widerspiegelt? Diese Idee steht im Zentrum des Projekts.

    „Die schöne Müllerin – unterwegs“ bringt den Liederzyklus an Orte, die selbst Geschichten erzählen: Häuser mit Geschichte, ländliche Räume, neue Begegnungsorte. Jede Station dieser Reise gibt dem Werk einen anderen Resonanzraum – mal fernab etablierter Konzertsäle, mal inmitten städtischer Kultur.

    Dabei bleibt der Zyklus, was er ist: ein innerer Monolog, eine Erzählung von Sehnsucht, Natur, Liebe und Verlust. Doch in der Bewegung – im „Unterwegssein“ – öffnet sich sein Horizont neu. Die Hörerinnen und Hörer sind eingeladen, sich mit auf den Weg zu machen, sich einzulassen auf das, was entsteht, wenn Kunst und Raum sich begegnen.

    Auftakt im September 2025

    Das Projekt startet im September 2025 mit einem Auftaktkonzert in Lübeck. Von dort aus führt der Weg weiter – Schritt für Schritt, Lied für Lied, Station für Station.

    Alle weiteren Informationen zum Projekt, den Aufführungen und der Idee finden Sie unter:

    www.muellerin-unterwegs.info

  • Mein persönlicher Kommentar

    Kunst soll provozieren, aufrütteln, stören, verwirren. Und sie muss kritisiert werden können – ehrlich, scharf, klar. Doch was ich zuletzt gelesen habe, hat mit sachlicher Auseinandersetzung wenig zu tun. Es geht nicht um Musik oder Interpretation, sondern um Spott, Abwertung – und in einem Fall sogar um unverhohlenes Bodyshaming.

    In einem aktuellen Beitrag auf Der Opernfreund beurteilte man eine Kollegin nicht nach Stimme oder Darstellung, sondern nach ihrem Körper. Man nannte sie „obszön exhibitionistisch“, ihre Figur „allzu üppig“, ihre Erscheinung nicht eben ansehnliche Weiblichkeit. Ist das Kritik? Nein, das ist ein Angriff. Ein entmenschlichender Blick auf eine Sängerin, die sich mit vollem Einsatz einem Werk widmet. Solche Worte verletzen nicht nur die Betroffene, sie beschädigen auch das Vertrauen zwischen Bühne und Kritik.

    Ein weiteres Beispiel des Autors: Dr. Dieter David Scholz veröffentlichte auf Facebook ein Foto aus der Leipziger Orpheus-Inszenierung mit dem knappen Kommentar: „Blöde Party, sonst nix…“ Kein Argument, kein Kontext, keine Analyse. Nur Spott.

    Solche Formulierungen zeigen: Manche verstehen Kritik als das Recht, von oben herab zu urteilen – schnell, laut, selbstgefällig. Aber Kritik ist kein Freifahrtschein zur Herabwürdigung.

    Ich möchte eines klarstellen: Kunst ist keine Wohlfühlzone. Sie muss sich der Kritik stellen – auch der harten. Doch Kritik darf niemals entmenschlichen, nicht beleidigen und schon gar nicht körperliche Merkmale oder Aussehen thematisieren.

    Wir Künstler stehen heute unter großem Druck. Alles ist sichtbar, alles wird bewertet. Umso mehr brauchen wir Kritik, die wirklich hinhört, sich mit dem Werk beschäftigt und interessiert – auch wenn sie ablehnt.

    Ich wünsche mir eine neue Ernsthaftigkeit in der Kulturkritik. Kein Herumwerfen mit Pauschalurteilen, keine Häme, keine Verachtung. Sondern ein Gespräch auf Augenhöhe. Denn darum geht es: um ein Miteinander – nicht um Machtspiele.

    Denn wem bei einer Opernaufführung zuerst die Figur einer Sängerin einfällt – und nicht ihre Stimme, nicht ihre Leistung, nicht der künstlerische Ausdruck – der sollte sich fragen, ob er wirklich im Zuschauerraum sitzt. Oder doch lieber vorm Spiegel.

    Wir machen Kunst, weil wir etwas sagen wollen. Kritiker sollten ihre Worte ebenso verantwortungsvoll wählen.

    Bildschirm 26.05.2025 um 21:30 Uhr
    Bildschrimaufnahme, Facebookseite des DDS. 26.05.2015

    Update: Wenn Geschmack zur Waffe wird

    Nach der Veröffentlichung seines Textes verteidigt sich der Autor auf seiner Website mit der Behauptung, sein Text habe „nichts mit Bodyshaming, Sexismus oder Frauenverachtung“ zu tun – sondern sei lediglich ein ästhetisches Urteil über eine Darstellung, die er als „geschmacklos“ empfinde. Wörtlich schreibt er: „Wenn jemand dick ist, darf ich das sagen.“

    Genau hier liegt das Problem.

    Bodyshaming beginnt nicht beim Hass – es beginnt bei genau solchen Sätzen.
    Wenn die Entscheidung einer Künstlerin, wie sie ihren Körper auf der Bühne präsentiert, zum Maßstab für „Würde“, „Noblesse“ und „guten Geschmack“ gemacht wird, dann ist das keine Kritik – sondern Bevormundung.
    Dann geht es nicht mehr um Kunst, sondern um Kontrolle.

    Wer behauptet, sich einfach nur ehrlich äußern zu wollen, aber gleichzeitig über die „Zumutbarkeit der (fast) Nacktheit“ anderer Menschen urteilt, stellt sich über sie – nicht neben sie.
    Und wer Meinungsfreiheit einfordert, ohne die Verantwortung seiner Sprache zu reflektieren, nutzt diese Freiheit nicht – er missbraucht sie.

    Man kann über alles sprechen. Auch über Geschmack.
    Aber wer andere öffentlich abwertet, muss mit Widerspruch rechnen. Und wer behauptet, das sei „nur seine Meinung“, hat nicht verstanden, dass auch Meinungen Folgen haben.

    Und ja, das ist keine Opernkritik…

  • Der Termin am 4. Juni 2025 um 18:00 Uhr muss krankheitsbedingt auf den 1. Oktober 2025 um 18 Uhr verschoben werden.

    Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Georgsberg in Ratzeburg lädt zu einem besonderen musikalischen Erlebnis ein: Im Rahmen der Reihe „Das kleine Konzert“ präsentieren der Tenor Taras Semenov und die Pianistin Sofia Semenina Franz Schuberts berühmten Liederzyklus „Die schöne Müllerin“.(st-georgsberg.de)

    Die Konzertreihe „Das kleine Konzert“ findet regelmäßig in der Kirche St. Georg auf dem Berge statt und bietet eine Stunde Musik und Besinnung. Professionelle Musikerverschiedener Fachrichtungen gestalten diese Abende mit kammermusikalischen Darbietungen. Der Eintritt ist frei; um Spenden wird gebeten. (Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg)

    „Die schöne Müllerin“ ist einer der bekanntesten Liederzyklen von Franz Schubert. Basierend auf Gedichten von Wilhelm Müller erzählt der Zyklus die Geschichte eines wandernden Müllergesellen, der sich unglücklich verliebt. Die Lieder spiegeln eine Bandbreite an Emotionen wider – von Hoffnung und Freude bis zu Trauer und Verzweiflung.(nuernberger-kulturbeirat-zd.de)

    Die Kirche St. Georg auf dem Berge, mit ihrer reichen Geschichte und besonderen Akustik, bietet den idealen Rahmen für dieses Konzert. Die Kombination aus historischer Architektur und musikalischer Darbietung verspricht ein unvergessliches Erlebnis.(Wikipedia)

    Veranstaltungsdetails:

    Weitere Informationen zur Konzertreihe und anderen Veranstaltungen finden Sie auf der Website der Kirchengemeinde St. Georgsberg: (Ev.-Luth. Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg).

    Wir freuen uns auf Ihren Besuch und einen Abend voller Musik und Emotionen.

  • Die nächsten Monate sind musikalisch gut gefüllt. Hier eine Übersicht der Projekte, an denen ich beteiligt bin:

    „Moskau, Tscherjomuschki“ von Sergej Gluschkow
    Premiere war am 30. April im Großen Saal der HMT Leipzig. Weitere Aufführungen am 2., 3., 5., 6. und 8. Mai.

    Konzert der Klasse von Prof. Caroline Stein
    Am 7. Mai im Kammermusiksaal der HMT Leipzig.

    11. RICHARD WAGNER: INSPIRATION UND NEBENWIRKUNGEN (WIN)

    am 14. Mai in Alte Nikolaischule, Richard-Wagner-Aula, Nikolaikirchhof 2, 04109 Leipzig Mehr Infos

    Kantaten-Konzert mit BWV 144 und BWV 166
    Am 18. Mai in der Maria-Magdalenen-Kirche in Malente.

    „Die schöne Müllerin“ mit Sofia Semenina
    Am 4. Juni in St. Georg auf dem Berge in Ratzeburg.

    „Judas-Kantate“ von H. Streck
    Am 6. Juli in der Christuskirche Geesthacht.

    Internationale Sächsische Sängerakademie
    Konzerte vom 12. bis 20. Juli auf Schloss Hartenfels in Torgau.

    Vielleicht sieht man sich bei der einen oder anderen Veranstaltung.


  • Was bleibt vom Menschen, wenn er nur noch gebraucht wird? Individuum oder Massenware

    OpenAI

    In Moskau, Tscherjomuschki dreht sich nicht nur um Wohnungsknappheit und Korruption, sondern um etwas Tiefergehendes, das über das konkrete Thema hinausgeht: die systematische Entwertung des Individuums.

    Die Figuren dieser Operette – ob bunt, komisch oder tragisch – konfrontieren alle die gleiche Realität: Ihr persönlicher Wert hängt davon ab, wie sehr sie dem System dienen. Ihre Träume, Eigenheiten und Würde? Nur relevant, wenn sie dem Zweck dienen, sonst nicht.

    Der Kranführer, der Funktionär, der Schlehmil, die Idealistin: Sie alle sind Teil eines Systems, das nicht das Individuum schützt, sondern es nutzt – und sofort ersetzt, wenn es nicht mehr passt.

    Selbst die Hoffnung wird in dieser Welt funktionalisiert. Der Gedanke an Fortschritt, beispielsweise durch neue Wohnungen, dient nur als Fassade, während dahinter Zynismus und Angst herrschen. Wer diese Fassade durchschaut, muss dennoch mitspielen, um zu überleben.

    Die Operette ist in ihrer Form unterhaltsam, ironisch und musikalisch verspielt. Doch sie enthüllt einen düsteren Kern: die systematische Entmenschlichung der Menschen, während man ihnen vorgaukelt, Teil von etwas Größerem zu sein.

    Gerade in der heutigen Zeit, in der Systemkritik in Russland und anderswo wieder gefährlich ist, bleibt die Operette erschreckend relevant. Loyalität wird belohnt, Eigenständigkeit bestraft.

    Die zentrale Frage des Stücks lautet:

    Wann hört ein Mensch auf, Mensch zu sein – und wird nur noch eine Funktion?


    Kommende Woche beginnt die Endprobenphase und ich freue mich schon jetzt auf die Aufführungen – es wird ein starkes Stückl!

    Aufführungen: 30. April, 2., 3., 5., 6., 8. Mai, 19 Uhr, HMT Leipzig.

    Besetzung:

    • Bubenzow – Joshua Geddes
    • Masha – Ana Gvozdenović
    • Lidotschka – Halldóra Ósk Helgadóttir
    • Baburov Semyon Semyonovich – Bruno Szabó
    • Boris Korezki – Elie Valdenaire
    • Sergej Gluschkow – Taras Semenov
    • Liusia – Isabelle Serafin
    • Fjodor Michailowitsch Drebednjow – Lucas Reis
    • Vava – Victoria Grilz
    • Afanassi Iwanowitsch Barabaschkin – Valentin Schneider

    Künstlerisches Team:

    • Musikalische Leitung: Matthias Foremny
    • Regie: Beverly Blankenship
    • Bühnenbild & Kostüme: Barbara Schiffner
    • Choreographie: Claudio Valentim Filho